Ich suche einen job, aber…

Mein Leben soll sich in den kommenden Monaten mal wieder verändern, denn ich suche einen Job, in Deutschland. Dieser Schritt ist, wie schon erwähnt, kein einfacher. Aber trotzdem ein spannender, denn momentan wälze ich mich durch Stellenangebote, stelle mir immer wieder die Frage, wo ich eigentlich hin will. Eigentlich mag ich diese Frage nicht so gern, denn eine echte Antwort habe ich nicht. Würde man mich in einem Vorstellungsgespräch fragen “Wo sehen Sie sich in zehn Jahren” würde ich mich zwischen einer Lüge und einer ihnen nicht gefallenen ehrlichen Antwort entscheiden müssen. Denn wollen potentielle neue Arbeitgeber nicht folgendes hören: “Erfolgreich in dem Bereich in dem ich mich jetzt bewerbe”. Blablabla. Denn eigentlich weiß ich nicht was in zehn Jahren ist, auch nicht in fünf Jahren, vielleicht was in den nächsten zwölf Monaten sein soll.

Und dann stolper ich bei Stellenangeboten über folgende Beschreibungen:

“Du bist kommunikativ, gehst gerne auf Menschen zu und liebst es neue Kontakte zu knüpfen

Du besitzt eine hohe Überzeugungskraft, bist kreativ und enthusiastisch

Du möchtest Spaß an Deiner Arbeit haben und bist ein absoluter Teamplayer”

Und denke mir als Antwort oft: “Jein”, denn ganz 100%ig kann ich das nie unterschreiben und kommt auch oft auf meine Tagesstimmung, mein Gegenüber und meine Arbeit an. Ja, ich bin kommunikativ, aber ich bin auch zurückhaltend, erstmal abwartend, einschätzend, eher introvertiert. Und bei den meisten Stellenbeschreibungen sehe ich lustige, bunte, schillernde, laute, Personen auf einen zuspringen. Und dann denke ich oft: “Nein, das bin ich nicht” und dabei vergesse ich, dass ich so viel kann und auch schon geschafft hab und dass genau das mich ausmacht. Und dass jeder seine Macken, seine Unsicherheiten hat und das schließlich auch einen Menschen ausmacht.

Also liebe potentielle Arbeitgeber:  Ich suche einen Job. Ab Anfang 2017. Gern Hamburg, Bremen, Norddeutschland und/oder Berlin. Sechsjährige kaufmännische Berufserfahrung im Musikvertrieb, 1,5 Jahre im Tourismusbereich (die 5 Monate Erfahrung im Kuhflüstern müssen nicht relevant sein), 2,5 Jahre Auslandsaufenthalt, abgeschlossenes Studium, (Musik)Blogger-Erfahrung. Also eigentlich kann ich fast alles wenn ich will. Quereinsteigen ist auch mein Ding.

Her mit dem neuen Leben!

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First we take Manhattan…

Back from my trip to New York since more than one week and my head is still full of everything and my heart is still beating faster when all the great memories are coming up.

After three month of working in the solitude westfjords of this beautiful country I decided to jump into the complete opposite world. I always loved to live in a big city, even Hamburg seems to me not big at all as it has a very compact centre. And Reykjavik is in this case not a big city, it is for Iceland, but not compared to the capitals of Europe. New York was always something which was so so so far away from Europe. And it still is, just closer, cause Iceland is located between Europe and America. And New York was exactly that kind of lively and quirky city I needed after one and a half year of living with the same
320 000 people in this country.

During my preparations I realized that it is not possible to see everything in eight days, so I haven’t made big plans, just the ideas in my head what I would like to see but not to be stressed out. And this totally worked for me, even if I was stressed out though. And how shouldn’t I?! After I arrived in New York with the bus, after the first unfriendly impression of America (the mood of the busdriver was ten times worse than the mood of busdrivers in Berlin), after the first friendly impression of America (Hey John!), I was surrounded by more people than I saw the last months in Iceland. But I loved this kind of stress in the first few days.
NY47And I couldn’t stop to move almost all the days. So I was walking a lot, got lost in the first day, found a great breakfast/lunch place for the next days on my lost way and was impressed by the skyline of Manhattan and the beautiful evening sunlight which painted the streets in a deep orange light. And I loved the fact that it was still around 18°C in the evenings.

I crossed the impressive Brooklyn Bridge in the morning, not many people were up that early, so I had the views almost for myself. And I loved it. Haven’t been to the “lady of liberty”, but saw her from many places in New York. I walked through Soho, Tribeca and Greenwich Village, had lunch at Oscar’s Place, was wondering about this quiet areas in the middle of Manhattan, loved the people who were strolling around with a huge bunch of dogs. I guess I saw some famous people, I am just bad at movies, characters and from time to time I just thought “Oh, I know this face, but where from?”. At Gansevoort Foodmarked I bought Icecream for 6$, cooled my feet at The High Line, took pictures of people, was smiling about the guy who was singing out of tune to famous pop songs (as “Chandelier” from Sia) straight from his heart, took pictures from streetart and inhaled the dusty city air. My feet started to hurt at 5th Ave, I felt lost between all this fake streets around that area, couldn’t enjoy enough the beautiful Flat Iron Building, strolled through Washington Square Park to find the sub back home.

Gansvoort Foodmarket

Gansvoort Foodmarket

Brooklyn Bridge, Baby!

Brooklyn Bridge, Baby!

5th Ave

5th Ave

Flat Iron District

Flat Iron District

This special day was already so full of impressions, that in the end of the day I had the feeling to explode. In a positive way. But I couldn’t sit inside and stay home, so I decided spontanious to see the band Low in Williamsburg Music Hall. I loved the place, it reminded my on Hamburg / Berlin, the venue on my favorite one in Hamburg – Knust. And I loved to be between music lovers, between all this hip bearded guys and indie girls living in this gentrificated area. I felt homey. And realised once more how easy it is to talk to people, to meet interesting one, with great ideas and to enjoy a concert without knowing each other.

And this was just the beginning of my journey. More soon….

Einjähriges…

So wie in den letzten Wochen und Monaten diverse Stürme übers Land gezogen sind, so schnell und mit voller Wucht sind die letzten zwölf Monate an mir vorbeigeweht. Vor exakt einem Jahr war ich auf dem Weg in eine ungewisse, aufregende Zeit, von der ich noch nicht wusste, was sie bringen würde, welche Abenteuer ich erleben, wer mir ans Herz wachsen oder wen ich ganz schnell wieder vergessen würde. Ich ahnte dass es schön werden würde, aber wusste nicht, dass es SO schön ist. Ich ahnte nichts von den Irritationen, von den Zweifeln, davon wie schwer der Winter für mich werden würde (weil ich ursprünglich auch gar nicht vorhatte, so lange zu bleiben). Dieses Kapitel in meinem Leben war so unbeschrieben, so offen und immernoch gibt es kein Ende. Weder gut noch schlecht.

IMG_20140511_221323Hier und jetzt bin ich schlauer, habe ich viele tolle Momente gehabt, viele tolle Menschen kennengelernt, mich besser kennengelernt, bin über mich hinausgewachsen, habe herausgefunden, wer ich bin aber bin noch lange nicht fertig damit. Und mag eigentlich nie fertig damit sein. Denn ich möchte immer lernen, über mich, über die Welt, über andere. Und auch stolpern können, sich mit seinen Ängsten, mit seinen Intoleranzen auseindersetzen, sich über die eigenen Grenzen hinwegsetzen, Gefühle zulassen, aushalten, Gedanken hinterfragen, Verhalten hinterfragen. Von sich, von anderen. Und offen sein für all das, für die Unterschiedlichkeit der Kulturen, die doch größer ist, als ich je gedacht habe. Ich bin ein Stückchen geduldiger geworden, habe aber gemerkt, dass es nicht einfach ist aus der eigenen soziokulturellen Haut zu schlüpfen.

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Ich habe Dinge getan, die ich noch nie zuvor getan habe, habe meine romantischen Vorstellungen des Farmlebens sehr schnell abgelegt, gelernt es zu schätzen, woher Fleisch kommt, wie die Tiere leben, die irgendwann (für uns) sterben müssen. Bewusster leben, bewusster konsumieren, sich auf das wichtige und notwendige beschränken. Ich habe mich in Schweigen geübt, ich habe der Natur gelauscht, Vogelstimmen kennengelernt, das Schreien des Polarfuchses erkannt. Ich habe Kühe gemolken, Lämmer markiert, Schafe eingefangen, wilde Kälber bei ihrem ersten Ausflug begleitet (und sie versucht davon abzuhalten zu entkommen). Ich habe mehrere Tiere sterben sehen (auf natürliche und unnatürliche Weise).

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Anfangs war ich ein Prinzessinnenbändiger, habe ich spät herausgefunden, wieviel Arbeit eine Familie und der Haushalt wirklich machen. Niemehr wollte ich nach dem Prinzessinnenbändigen Prinzessinnen bändigen. Doch ich wurde (zum Glück) vom Gegenteil überzeugt, dass es nicht immer verrückt und chaotisch zugehen muss. Ich habe eine zweite Familie gefunden, Freunde, Vertraute, die ich niemehr vergessen werde. Denen ich dankbar bin, für all die Erfahrungen, die sie mir ermöglichen.

Die Berge waren manchmal steil, oft musste ich über viele Steine steigen, aber immer war da eine Kraft, die mir die Hand gereicht hat und mir zurief “Vertrau dir”. Der Ausblick von dort oben ist so atemberaubend schön! Diese Energie hat mir geholfen, den Abstieg ohne Schrammen und Stürzen zu überstehen.

Niemals, in keiner Sekunde habe ich bereut diesen Schritt gegangen zu sein – und es war nicht immer leicht. Manchmal habe ich Sehnsucht nach Kränen, Hafen, Astra mit Freunden, Sommer, Sonne, Currywurst, Hasenschaukel, Elefantenfuß, Hasen hinterm Haus, Tanja in der Küche, Amselgesang und Großstadttrubel. Doch ich weiß, dass es da diese Sehnsucht gibt, wegen der ich hier bin und ich weiß immernoch, dass dies der richtige Weg ist, wo auch immer er hinführt, denn ich bin mir sicher, dass es keine falschen Wege gibt.

NL09Nun steh ich hier mit all den Eindrücken der letzten zwölf Monaten, angekommen in einem Land, von dem ich bis vor zwölf Monaten nur träumen konnte. Angekommen in einem Land, das ich jetzt mein zu Hause nenne. Vielleicht temporär aber im Herzen immer. Und immernoch ist das Kapitel nicht zu Ende, das Ende nicht vorhersehbar, ungeschrieben. Ich fülle die Seiten mit Leben, Leidenschaft, Freiheit, Bergen, schwarzen und gelben Stränden, Angry Birds, Wollgras, vielen neuen Lieblingsmenschen, Kuhaugen, Schafmähen, wehenden Pferdemähnen, Reykjavik, gutem Essen, Lakritzschokolade, Nordlichtern, Sonnennächten, bärtigen Isländern, verschmitztem Kinderlachen, felligen Katzenbäuchen, glitzerndem Nordatlantik und am Ende auch Musik.

Big City Riot

Es ist anders. Hier in Reykjavík. Der Blick aus dem Fenster trifft auf eine graue, aber zugegeben schöne Hauswand, die aus dem typischen Wellblech besteht. Drüber selten blauer Himmel, oft graue Wolken und daneben ein Baum mit roten Beeren. Die sieht man momentan überall in Reykjavik. Überall auch Menschen, Autos, dicke Katzen.

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Dicke Katzen laufen einem hier ständig vor die Füße, egal wo. Manche sehen arrogant und desinteressiert durch einen durch, andere setzen sich neben einen, maunzen laut, bis sie erhört werden. Ich war nie ein Katzenfan, doch scheinbar bin ich immer nur den gestressten eingesperrten Hamburg-Katzen begegnet. Hier sind sie eigentlich wie die Isländer. ziemlich entspannt. Und das mag ich.

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Der erste Monat ist vorbeigerauscht und lässt mich hier staunend stehen. Neue Umgebung, neue Menschen, neue Lebensweisen, Ansichten, Erfahrungen. Und manchmal halte ich inne, voller Sehnsucht nach Landschaften, Natur, frische Luft atmen. Hier befällt mich stärker als je zuvor ein Stadtkoller, der mich nach draußen treibt. Sei es auf den regelmäßigen abendlichen Spaziergängen zum Tjörnin und zurück oder after work hikes zum Helgafell, Tagesausflügen an die Südküste oder einem Sonntagsausritt. Ich muss raus.

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Sehnsucht vor allem nach den Westfjorden, die sich in mein Hirn und Herz gebrannt haben. Die ich mit bestimmten Songs verbinde, die ich manchmal beim Arbeiten an frischer Luft gehört habe. Ich sehe grüne Berge, weite Fjorde (und Heuballen, sehr viele Heuballen). Der viel zu kurze Besuch zum Schafabtrieb hat zwar gut getan, war aber eher wie ein Wirbelwind, als ein warmer Herbststurm.

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In einem Monat findet dann auch schon das Iceland Airwaves Festival statt, zu dem ich vor zwei Jahren zum ersten Mal nach Island kam. Die Vorfreude auf all die Off-Venue-Konzerte wird getrübt durch das Wissen, dass nach dem Festival ein paar liebgewonnene Menschen diesen Ort verlassen werden, dass danach die WG etwas ruhiger, das Lachen etwas leiser sein wird. Aber auch wenn alles einen temporären Eindruck macht, Menschen bleiben, auch wenn man mit ihnen nur für eine absehbare Zeit sein Leben geteilt hat.

Schlechtwetterfront

Seit Wochen ziehen hier in den Westfjorden fast permanent die Regenwolken durch. Manchmal mit viel Regen, manchmal nur tröpfchenweise und manchmal auch mit Sturm. Nun ja, das Wetter kann man schlecht ändern und wer nach Island kommt, sollte sich nicht über das Wetter wundern. Denn auch hier gilt: alles kann, nichts muss. Und das zu jeder Jahreszeit. Letzte Woche zum Beispiel entdeckten wir nach einer sehr regenreichen Nacht auch neuen Schnee auf den Bergen. Dieser war zwar nach ein paar Stunden wieder weg, aber für das Erlebnis wars genug. Man könnte einfach im Bett bleiben und erst wieder rauskommen, wenn es vorbei ist. Das würde ich wohl daheim tun, doch hier rufen morgens und abends mindestens die Kühe zum melken.

Wir versuchen uns alle mit Humor, lustigen Party-Liedern, manchmal auch Fußball schauen, Babykatzen<knuddeln, viel Süßigkeiten, abends ein Weinchen und gutem Essen sprichwörtlich über Wasser zu halten. Und warten sehnsüchtig auf die Sonne. Nicht nur für die Ernte von Heu ganz wichtig, auch für unser aller Gemüter.

Aber die Schönheit verliert das hier dennoch nicht. Seht selbst:

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almost perfect day(s)

Die Reise in die Westfjorde startete mit Regen, verbranntem Popcorn aber mit hüpfendem Herzen. Nach viel zu langer Zeit mit viel zu viel Arbeit und viel zu viel Unzufriedenheit, wollte ich mir ein paar schöne Tage machen, bevor es in den Westfjorden in der Nähe von Ísafjörður weitergehen sollte. Ganz allein war ich nicht auf dieser Reise, denn der israelische Worker der Farm hatte sich entschlossen, mir zu folgen und der zukünftige Farmer brauchte zu unser aller Glück auch noch einen Worker für einen Monat.

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Links am Eyjafjörður entlang, wollten wir die kleine Halbinsel von Dalvik bis Hofsós erkunden. Leider saßen wir die meiste Zeit im Auto, weils draußen wirklich eher ungemütlich war. Dennoch wunderschön, die tiefhängenden Wolken über den Bergkämmen, die Regenfronten überm Meer und der Wind, der um die Autonase wehte. Kurzzeitig verfuhren wir uns, fanden uns inmitten großer Schneemassen wieder und waren ziemlich sicher, dass das Auto das nicht mitmachen würde. Dass wir damit ein paar Stunden später noch weniger Unrecht hatten, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Nach türkisblauen Buchten, neben gelbgrünem Gras und grauen Bergen, erreichten wir in Skagafjörður fast unser Tagesziel. Im ortsansässigen Burgerladen schlossen wir Bekanntschaft mit dem zauberhaften amerikanischen Pärchen Joan und Dan, die wir dank unseres kaputten Autos wenige Tage später völlig überraschend wiedertrafen. Außerdem erklärte uns der Besitzer den Grund, warum an seinem Laden auch eine israelische Flagge hängt und lud uns zu seinem hausgemachtem Vanille-Softeis (!!!) ein. Endlich kreuzten genau die Menschen meinen Weg, die ich in Island treffen wollte: die Geschichtenerzähler, die interessanten, freundlichen. Mit glücklichem Herzen folgten wir später als gedacht (zum Glück wirds momentan ja nichts dunkel in Island) einer kleinen Schotterstraße, um zum Natural Hot Tub Grettislaug zu kommen. Dort wärmten wir uns bei eisigwindigen Außentemperaturen stundenlang im Schein der umgebenen Berge auf und schliefen gegen 2:30 nachts in unseren Schlafsäcken im Auto ein.

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Der Tag küsste uns mit Sonnenstrahlen wach, wir nahmen erneut ein heißes Bad und ich verliebte mich Hals über Kopf in diesen wunderschönen Ort, der so friedlich und freundlich schien. Das kleine Café öffnete vor unseren Augen, wir hielten ein Pläuschen mit den Besitzern und erwachten bei Tee und Kaffee ganz sanft. Wir setzten unsere Reise in die Westfjorde auch wieder später als geplant fort, hielten am großen versteinerten Troll Hvitserkur und erhielten unweit von dort den Tipp, im Hostel Broddanes zu übernachten. Die Straße Richtung Holmavik teilten wir uns 1,5 Stunden mit nur zwei Autos. So einsam hatte ich mir die Westfjorde dann doch nicht vorgestellt. Und auch deren Schönheit überstieg meinen Erwartungen. In hysterisches Quieken fiel ich, als ich feststellte, dass unweit des Hostels Papageientaucher wohnten, die man vom Hostel-Aufenthaltsort bestens mit einem Teleskop beobachten konnte. Überhaupt war dieser Abend magisch…die Sonne berührte erst gegen 23Uhr die umliegenden Berge und schien im Ganzen nicht mehr als 3 Stunden verschwunden zu sein, wobei es draußen nur abenddämmerungdunkel wurde.

Da unser Benzin fast aus war, mussten wir am nächsten Tag einen Abstecher nach Holmavik machen. Nach dem Tanken fuhren wir kurz durch die “Stadt”, ich sagte “Well, nice, but let’s go to Ísafjörður”. Dass wir in den kommenden Tagen doch noch mehr von der Stadt und Island sehen würden, konnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen.

Unser Auto blieb mit einem kaputten Kühler auf der Straße liegen.

Eine Welle der Hilfbereitschaft brach über uns herein. Stefan der Polizist aus Holmavik nahm uns in seinem Polizeiauto mit, rief Mechaniker und andere Menschen an, die uns helfen könnten, fuhr uns zur Überbrückung der Wartezeit zum Swimming Pool und tat wirklich alles, um uns zu helfen. Und auch die Menschen aus dem Supermarkt in Holmavik halfen uns. Doch letztendlich funktionierte das Auto nicht so wie es für 240km Berg- und Talfahrt hätte sein müssen und wir mussten für diesen Tag in Holmavik bleiben. Auch Elisabeth vom Finna Hótel nahm sich ein Herz und überließ uns eines ihrer größeren Zimmer im Guesthouse zu einem günstigen Sleepingbag-Accommodation-Preis, welches näher am Parkplatz unseres Autos lag. Völlig erschöpft und zerstört schlief ich in dieser Nacht zwar gut aber dennoch nicht genug.

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Das Auto wurde temporär am nächsten Morgen repariert, wir mussten zu einer 80km entfernten Stadt in den Süden der Westfjorde fahren, wurden auf der Strecke durchs Hochland von einem netten Isländer im Caravan eskortiert (wir mussten alle paar Kilometer das Wasser im Kühler nachfüllen und waren froh, dass es überall am Straßenrand kristallklares kaltes Wasser gab) und waren froh, als wir nach drei Stunden Fahrt mit dem Mechaniker der ortsansässigen Werkstatt sprechen konnten. Unsere Reise mussten wir dann mit minimiertem Gepäck (also unnütze Dinge wie Alkohol und Schuhe im Auto lassen) den Weg mit dem Daumen fortsetzen. Nach 20 Minuten hielten zwei junge Frauen, die uns zwar nicht weiterhelfen konnten, da sie in der Nähe eine Schafsfarm haben, aber dass sie rumfragen würden, wer in unsere Richtung fahren und uns mitnehmen würde. Sie sagte mehrmals “If you find nobody today, then come and sleep at my farm. For free. I mean it from my heart. Come and stay, no problem”. Überwältigt von so viel Freundlichkeit und Offenheit waren wir wenig später aber froh, dass unsere Reisebegleitung Kelsey für die nächsten 24 Stunden für uns hielt. So kam ich in den Genuss, fast alles der Westfjorde entlang der Straße gesehen zu haben.

Die lange und beschwerliche Fahrt über Schotterpisten und an Berghängen entlang, führte uns nach Bildurdalur, wo wir eine Nacht bei der Mutter der Farmersfrau bleiben konnten, bevor es am nächsten Tag auf unsere letztere Strecke zu unserem Ziel ging. Dieses erreichten wir mit vielen tollen Eindrücken, vielen großartigen Erinnerungen an ebenso großartige Menschen, mit einem Flauen Gefühl in der Magengegend und mehr als zwei Mützen zu wenig Schlaf. Doch so langsam verteilt sich alles wieder. Und auch der Frust verfliegt, der Autofrust, der Schlaffrust und der Frust über die letzte Farm. Alles wird gut am Ende!

Ísland – Impressionen

*** Quietschendes Gartentor, Möwengeschrei, Geläute der großen weißen Kirche, sonst nichts. Ein paar Schritte Wortbrocken von englisch-, spanisch- und deutschsprachigen Touristen, der verhasste Geruch von Instant-Chinanudeln der aus der Noodle Station kommt, merkwürdiger Sound der spikesbestückten Reifen der Autos die die Laugarvegur entlangschleichen, meist nicht um irgendwo hinzukommen, sondern um einfach mal ein paar Runden zu fahren, währenddessen ein Eis zu essen. Der Wind weht unsanft um das Konzerthaus Harpa, vertraute Gerüche drinnen, Meeresrauschen und wieder Möwengeschrei draußen. Die Schlange am berühmtesten Hot Dog Stand der Welt ist wie immer lang, es wird sich in verschiedensten Sprachen unterhalten, auch isländisch. Am Tjörnin ist wie immer lautes Geschnatter zu hören, Enten, Schwäne und Möwen streiten sich um das mitgebrachte Brot. Später am Abend tönt aus dem Dillon eine Hardcore-Band, lässt die Holzwände zittern, aus allen Ecken hört man fröhliches Lachen, ertönen Stimmen, sieht man hübsche Frauen in hochhackigen Schuhen, mit Pelz, Leggings und übergroßen Pullis und ebenso hübsche Männer in engen Röhrenjeans und mit fancy Sneakern. Der Wind pfeift noch immer, doch schreckt an einem Freitag/Samstag abend niemanden ab.

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***. Wasserfall im Irgendwo, eine Frage bleibt: Wird dieses Rauschen jemals aufhören, wird der Wasserfall jemals aufhören zu fließen inmitten der Bäume, die einen isländischen Wald bilden. Durstig vom Wandern, erfrischt das kühle Nass den Gaumen und weckt die schläfrigen Augen. Vogelgezwitscher, doch anders als daheim, ein kleines seltenes Summen, Rauschen über die wie eine Hügellandschaft ausschauende Grasfläche.

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*** Von der Einöde in die “Großstadt” – Man lernt hier, was man hatte und was man braucht. Einsamkeit ist ganz schön, aber das Herz fängt an zu klopfen, wenn es an die bequemen Sitze des Lieblingscafés denkt, von denen man wunderbar die Menschen auf der Straße – der “Laugarvegur” von Akureyri” – beobachten kann. Ein Fan von Karottenkuchen war ich nie, aber im Backpackers gibts einfach den besten. Dazu zwei Tassen Kaffee, dem hübschen Spanier hinter der Theke bei der Arbeit zuschauen und ich bin glücklich, so einfach ist das. Meistens tönt aus den Lautsprechern auch noch wunderbare Musik, die mich nach Hamburg schwelgen lassen, zu all den Musiknerds. Ein Herz für all die!

*** Dämmerschlaf auf dem Land, die Berge ab 3Uhr nachts erwachen sehen. Das Heu duftet bis unter die Bettdecke, die Zugvögel machen grad Zwischenstopp auf den Wiesen am Fjord und sind dabei ganz schön laut. Die Fliegen vom Vortag liegen erschöpft auf der Fensterbank, bis ein letztes dumpfes Summen ihr Ende ankündigt. Von irgendwo hört man ein Muhen.

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