There are no wrong ways

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Es ist nicht einfach. Dieses Leben. Doch eigentlich komm ich ganz gut klar. Habe mir Träume erfüllt und immernoch genug davon übrig, dass mir nicht langweilig werden sollte. Und doch befinde ich mich momentan irgendwo dazwischen, zwischen hier und dort und woanders. Wieder geht es um Entscheidungen, die mir diesmal nicht so leicht fallen wie die große Entscheidung die ich vor drei Jahren getroffen habe. Ich führe hier in Island ein ganz alltägliches Leben, ich genieße die vielen Vorteile die ein Leben als expat hat. Aber es gibt auch Zweifel.

In meiner momentanen Situation ist es das Gefühl, nicht ganz hier sein zu können. Weil es seit einem Jahr jemanden gibt in meinem Leben, der die meiste Zeit viel zu weit weg ist. Und der die Entscheidung für die Zukunft maßgeblich mitbestimmt. Aber das ist eigentlich kein Nachteil, denn eigentlich ist das ganz schön. Nur fallen mir Entscheidungen nicht so leicht und je klarer wird, dass ich Island bald verlassen werde, umso mehr schmerzt mir mein Herz. Ja, es fühlt sich an wie Liebeskummer. Aber den habe ich auch, wenn ich weit weg vom

Liebsten entfernt bin. Leider macht mir momentan das Ungewisse, das in der Zukunft liegt, noch ziemlich Angst, weil ich wirklich nicht weiß was sein wird, wo ich landen werde. Vor drei Jahren fand ich das irgendwie nicht schlimm bzw. hab ich mich mitten rein gestürzt und gelernt dass es eigentlich wirklich keine falschen Wege gibt. Und genau das weiß ich eigentlich ja auch, aber momentan fällt mir schwer das auf ein Leben in Deutschland anzuwenden. Es scheint alles ein bisschen mehr anstrengend, weniger locker, mehr auf Erfolg getrimmt. Schon allein Bewerbungen zu schreiben, Bewerbungsratgeber zu lesen, da meine letzten tatsächlich 8 Jahre her sind. Oder einfach nur Jobangebote auf diversen Jobportalen. Ich weiß ich kann ganz viel, ich habe in den Jahren nach der Uni so viel gelernt und in den letzten 2,5 Jahren besonders. Ich kann mich in viele Bereiche einarbeiten, bin offen, flexibel. Aber dennoch diesem Muster zu entsprechen, mich mit einem Stück (elektronischem) Papier irgendwo zu bewerben,, wo man mich nach meinem Lebenslauf und meinem Photo beurteilt, das bereitet mir Magenschmerzen. Ich weiß einerseits nicht so genau wo ich hin will aber ich weiß was ich will; dass man mich als der Mensch einstellt der ich bin, ohne dass ich mich verstellen, verkleiden, verstecken muss. Und ich will zufrieden einen guten Job machen und abends nach hause gehen können ohne mich jeden Tag nach Island zurückzusehnen. Und wenn das doch passiert, fliegen täglich Flugzeuge auf diese Insel im Nordatlantik die mich nie mehr loslassen wird.

(almost) no words, just pictures

There is too much to say but I am speechless. So, better to show you some nice pictures from the past months.

The summer has been great so far, temperatures between 15 and 18°C, not much wind so this temperatures acutally felt warmer than they sound. I traveled a bit in Iceland, I saw parts I haven’t seen yet, showed parts I already knew to guests.


And I have been in Germany for some days. Not more, not less.

Exciting times right now…in all of their beautiful and bad colours. Reality needs me!

feel the pain…

Seit Tagen sitze ich und grüble, ich grüble über einen Anfang eines Eintrags der längst fällig ist. Da ist so viel in meinem Kopf momentan, ich bin so voll mit Gefühlen. Voll mit schönen Gefühlen, aber auch voll mit Nachdenklichkeit, Fernweh, Angst, Verzweiflung, Wut. Ersteres genieße ich in vollen Zügen; Sehnsucht, Glück, Leidenschaft, Zufriedenheit.

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Letztere entstehen durch den Blick auf die letzten zwölf Monate, die nicht die schlechtesten waren. Ein hoch und runter zwar, aber nichts was ich bereue, nichts was unnormal gewesen wäre. Ortswechsel für den Sommer, Entscheidungen, New York, neue Menschen die zu Freunden werden, Menschen die ich aus meinem Leben gestrichen habe. Durchaus spannend.

Und dann der Inselkoller der mich seit ungefähr New York begleitet hat. Ich hatte Fernweh, schlimmes Fernweh, Hummeln im Arsch, das Gefühl wieder einmal etwas verändern zu müssen. Sogar die Überlegung, wieder zurück nach Deutschland zu gehen. Doch gerade das bereitet mir momentan große Bauchschmerzen. Mir macht Angst was seit langem in Europa passiert (genau genommen habe ich mir diese Gedanken auch schon vor einem Jahr machen müssen), das Gefühl von Sicherheit geht mir abhanden wenn ich an Deutschland denke…ich habe Angst vor der Bewegung, die wieder rassistische Parolen schwingt, den jenigen die die Vorkommnisse in Paris oder von Köln gegen die Flüchtlingsdebatte instrumentalisieren. Ich habe Angst vor der Politik, die auf die Knie gehen könnte. Ich bin verzweifelt, wenn ich Kommentare lese und nehme mir grad wieder vor, die entsprechenden Seiten zu blockieren. Aber ich möchte dennoch up to date sein, ich möchte dennoch interessiert sein an dem was in der Welt passiert. Wie schafft man den Spagat zwischen Selbstschutz und Interesse?

Einerseits tänzel ich gerade umher aber mit einem schweren Klotz im Bauch. Wohin mit mir, wann, warum und weshalb.

Dipping into life…

…mit einem x-beliebigen Boot einfach mal rausfahren, aufs Meer, auf den Fjord, eine andere Perspektive einnehmen, runterkommen vom inneren Trubel, Ruhe und Gelassenheit finden, die sich ausbreiten wie die Wellen sich bewegen. Atmen, ein und aus, tief und kraftvoll. Den Sturmvögeln beim Eintauchen ins Wasser zusehen, Glückstränen trocknen die beim Anblick der springenden Delfine die Wangen nass gemacht haben. Und ein breites Grinsen im Gesicht, ein Glücksgefühl im Bauch, als ein Buckelwal vor dem Boot auftaucht.

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Wunderschöne Momente, zu sich finden, Menschen begegnen die inspirieren, die Sichtweisen verändern. Sichtweisen auf die Welt, auf sich selbst. Sich selbst guttun, mit jedem Moment, eintauchen in das Leben.

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Sommersonnenende

In den letzten Tagen gibt die Natur hier in den Westfjorden nochmal alles. Die Wiesen sind grüner als zuvor, wobei das fast der Unmöglichkeit entspricht. Der arktische Mohn lässt nun all seine letzten Knospen aufspringen eh hier alles am Mitte Oktober im Schnee versinkt. Nur die Vögel sind längst nicht mehr hier, oder nur vereinzelt, die Küken schon groß genug, um alleine auf den Beinen zu stehen bzw. auf ihren Flügeln zu schweben.

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Und auch meine Zeit geht hier vorbei, die wie immer im Fluge vergangen ist. Das tut sie seit ein paar Jahren, die Jahre ziehen an mir vorüber wie ein starker Windstoß, wie er grad durchs Haus zischt, alle Türen scheppern lassen, die Holzstufen knarzen und das Gras draußen plättet. Platt bin auch ich; von der Stille, von der Einsamkeit, von ein bisschen Arbeit, von der Enge, von der Weite, von der frischen Luft, dem guten Essen, von zu wenig Besuch, von zu viel Wechsel, von Langeweile, von den Bergen und den tief hängenden Wolken.

WestfjordsMe04Himmelhochjauchzend gibt es hier auch, nur gibt es für mich immer einen Grund zu schaudern, zu denken, zu grübeln. Wie lange soll ich bleiben und noch wichtiger, wohin soll ich danach? Ich stehe ein wenig auf dem Schlauch…ich will einen Schritt vorwärts machen, doch halte mich irgendwie zurück. Weil ich weiß, dass mein Herz bricht, ein Stück, wenn ich dieses Land verlasse. Es ist komisch, ich kann nicht so richtig sagen warum, aber hier will ich eigentlich zu hause sein, mit Unterbrechungen die mich in die weite Welt führen, die mich andere Kulturen sehen lassen. Und dann wieder zurückkommen, in das Sicherheitsgefühl, in das gewählte zuhause.

Flateyri32Wie auch am Ende des letzten Sommers, zieht es mich in die große Stadt, freue ich mich auf andere Gesichter, freue ich mich auf bekannte Gesichter, vertraute Stimmen, Vertrauen an sich. Ich freue mich auf die quirligen Straßen, an den Blick auf Esja. Und dann freu ich mich auf noch mehr Stadt, die größte die ich bisher in meinem Leben gesehen haben werde. Neue Abenteuer, neue Menschen, neue Eindrücke, wenigstens für ein paar Tage. Aber die Erinnerung daran wird bleiben, ein Leben lang in meinem Kopf. Wie das hier. Es bleibt.

Einjähriges…

So wie in den letzten Wochen und Monaten diverse Stürme übers Land gezogen sind, so schnell und mit voller Wucht sind die letzten zwölf Monate an mir vorbeigeweht. Vor exakt einem Jahr war ich auf dem Weg in eine ungewisse, aufregende Zeit, von der ich noch nicht wusste, was sie bringen würde, welche Abenteuer ich erleben, wer mir ans Herz wachsen oder wen ich ganz schnell wieder vergessen würde. Ich ahnte dass es schön werden würde, aber wusste nicht, dass es SO schön ist. Ich ahnte nichts von den Irritationen, von den Zweifeln, davon wie schwer der Winter für mich werden würde (weil ich ursprünglich auch gar nicht vorhatte, so lange zu bleiben). Dieses Kapitel in meinem Leben war so unbeschrieben, so offen und immernoch gibt es kein Ende. Weder gut noch schlecht.

IMG_20140511_221323Hier und jetzt bin ich schlauer, habe ich viele tolle Momente gehabt, viele tolle Menschen kennengelernt, mich besser kennengelernt, bin über mich hinausgewachsen, habe herausgefunden, wer ich bin aber bin noch lange nicht fertig damit. Und mag eigentlich nie fertig damit sein. Denn ich möchte immer lernen, über mich, über die Welt, über andere. Und auch stolpern können, sich mit seinen Ängsten, mit seinen Intoleranzen auseindersetzen, sich über die eigenen Grenzen hinwegsetzen, Gefühle zulassen, aushalten, Gedanken hinterfragen, Verhalten hinterfragen. Von sich, von anderen. Und offen sein für all das, für die Unterschiedlichkeit der Kulturen, die doch größer ist, als ich je gedacht habe. Ich bin ein Stückchen geduldiger geworden, habe aber gemerkt, dass es nicht einfach ist aus der eigenen soziokulturellen Haut zu schlüpfen.

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Ich habe Dinge getan, die ich noch nie zuvor getan habe, habe meine romantischen Vorstellungen des Farmlebens sehr schnell abgelegt, gelernt es zu schätzen, woher Fleisch kommt, wie die Tiere leben, die irgendwann (für uns) sterben müssen. Bewusster leben, bewusster konsumieren, sich auf das wichtige und notwendige beschränken. Ich habe mich in Schweigen geübt, ich habe der Natur gelauscht, Vogelstimmen kennengelernt, das Schreien des Polarfuchses erkannt. Ich habe Kühe gemolken, Lämmer markiert, Schafe eingefangen, wilde Kälber bei ihrem ersten Ausflug begleitet (und sie versucht davon abzuhalten zu entkommen). Ich habe mehrere Tiere sterben sehen (auf natürliche und unnatürliche Weise).

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Anfangs war ich ein Prinzessinnenbändiger, habe ich spät herausgefunden, wieviel Arbeit eine Familie und der Haushalt wirklich machen. Niemehr wollte ich nach dem Prinzessinnenbändigen Prinzessinnen bändigen. Doch ich wurde (zum Glück) vom Gegenteil überzeugt, dass es nicht immer verrückt und chaotisch zugehen muss. Ich habe eine zweite Familie gefunden, Freunde, Vertraute, die ich niemehr vergessen werde. Denen ich dankbar bin, für all die Erfahrungen, die sie mir ermöglichen.

Die Berge waren manchmal steil, oft musste ich über viele Steine steigen, aber immer war da eine Kraft, die mir die Hand gereicht hat und mir zurief “Vertrau dir”. Der Ausblick von dort oben ist so atemberaubend schön! Diese Energie hat mir geholfen, den Abstieg ohne Schrammen und Stürzen zu überstehen.

Niemals, in keiner Sekunde habe ich bereut diesen Schritt gegangen zu sein – und es war nicht immer leicht. Manchmal habe ich Sehnsucht nach Kränen, Hafen, Astra mit Freunden, Sommer, Sonne, Currywurst, Hasenschaukel, Elefantenfuß, Hasen hinterm Haus, Tanja in der Küche, Amselgesang und Großstadttrubel. Doch ich weiß, dass es da diese Sehnsucht gibt, wegen der ich hier bin und ich weiß immernoch, dass dies der richtige Weg ist, wo auch immer er hinführt, denn ich bin mir sicher, dass es keine falschen Wege gibt.

NL09Nun steh ich hier mit all den Eindrücken der letzten zwölf Monaten, angekommen in einem Land, von dem ich bis vor zwölf Monaten nur träumen konnte. Angekommen in einem Land, das ich jetzt mein zu Hause nenne. Vielleicht temporär aber im Herzen immer. Und immernoch ist das Kapitel nicht zu Ende, das Ende nicht vorhersehbar, ungeschrieben. Ich fülle die Seiten mit Leben, Leidenschaft, Freiheit, Bergen, schwarzen und gelben Stränden, Angry Birds, Wollgras, vielen neuen Lieblingsmenschen, Kuhaugen, Schafmähen, wehenden Pferdemähnen, Reykjavik, gutem Essen, Lakritzschokolade, Nordlichtern, Sonnennächten, bärtigen Isländern, verschmitztem Kinderlachen, felligen Katzenbäuchen, glitzerndem Nordatlantik und am Ende auch Musik.

Sonnensturm…

Gestern Abend gab es Explosionen…am Himmel. Erst vermutete ich hinter dem Aurora Forecast Level 9 einen Fake, eine gehackte Seite, dann war meine Timeline gepflastert mit “Nordlicht alert and it’s not dark yet”.

Also zwang überredete ich eine Freundin raus aus dem Straßenlaternendschungel zu fahren. Zu viert konnten wir dann kaum unseren Augen trauen…der ganze Himmel war voll mit diesen wunderschönen Himmelserscheinungen. Über drei Stunden lang hielten wir es bei -8 Grad aus, tanzten zu “Like a Virgin” und sangen Cat Stevens “Wild World”…und am Himmel wurde in grün, pink und blau gesplasht, gezwirbelt und ebenfalls getanzt. Ich hörte selbst Isländer sagen, dass sie so etwas noch nicht gesehen hatten…wie schön Physik sein kann!

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