I see a darkness (wintertime in Iceland)

I hope that someday, buddy we’ll have peace in our lives
Together or apart, alone or with our wives
We can stop our whoring and pull the smiles inside
And light it up forever and never go to sleep
My best unbeaten brother, this isn’t all I see.
(Bonnie Prince Billy – I see a darkness)

Die letzten acht Monate wurde ich immer wieder gefragt, wie das so ist, in einem Land zu leben, in dem es immer dunkel und kalt ist. Keine Ahnung woher diese Annahme kommt, jedenfalls musste ich immer wieder erklären, dass es hier keineswegs immer kalt und dunkel ist. Im Gegenteil. Als ich vor acht Monaten hier startete, fing auch grad die Sommerzeit an, was bedeutete, dass es ganz lange nachts nicht dunkel oder nur dämmrig wurde. Ich habe das geliebt. Denn ich fühlte mich sooooo energiegeladen, es war überhaupt nicht problematisch, sich abends gegen 21Uhr nochmal ins Auto zu setzen und loszufahren, in die Wildnis, an einen einsamen Platz am Ende des Fjords und die wunderschöne Mitternachtssonne beobachten.

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Na gut, der Sommer in den Westfjorden war wirklich etwas besch…äh durchwachsen. Aber ich habe hier in Island nicht mit Traumwetter gerechnet, ich glaub das ist auch Einstellungssache. Aber trotzdem hab ich mir ein paar Mal die Nase und die Ohren gewaltig verbrannt, nämlich dann wenn auf unserer Terrasse kein Windchen wehte, dann warens da gefühlte 25 Grad. Und generell hab ich mich hier an diese Temperaturen gewöhnt, sodass ich selbst bei höchstens 15°C schon ein ordentliches Sommergefühl und Lust auf Sommerkleidchen hatte.

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“Aber sicherlich ist es jetzt im Winter ordentlich kalt”? Nö, bisher hatten wir einen ziemlich warmen November (wohl der wärmste seit Ewigkeiten), der mich mit durchschnittlich 8°C noch beschwingt in Wollpulli und Jeansjacke rumlaufen lässt. Und selbst in den geliebten Westfjorden ist wohl noch keine Sicht von Schnee, noch nicht mal auf den Bergen.

Da wär nur noch die Sache mit der Dunkelheit. Ja, das ist tatsächlich etwas, woran ich mich gewöhnen muss. Begleitet mich tagtäglich momentan eine ständige Müdigkeit, liegt das wohl daran, dass die Sonne momentan gegen 10:25 auf und circa 16:00 wieder unter geht. Und wir haben noch einen Monat bis zum kürzesten Tag!!!
Heute morgen zum Beispiel wurde ich durch meinen Wecker geweckt, den ich auf 9Uhr gestellt hatte. Eigentlich möchte man denken, dass man nach 9,5 Stunden Schlaf hellwach ist, doch mein vom Wecker verwirrtes Ich fragte sich: “Hab ich den Wecker gestern abend nicht von 6:30 auf 9Uhr gestellt?”, um dann beim auf die Uhr schauen festzustellen, dass es bereits 9Uhr aber draußen noch stockdunkel ist und ich immernoch saumüde bin. Aber auch hierbei versuche ich positiv zu bleiben: gemütlicher kann ein Tag ja nicht anfangen, als mit warmem Kaffee im Bett zu sitzen, Kerzen und Lichterkette an, um dann 1,5 Stunden später auf einen dreistündigen Spaziergang zu gehen, um das Tageslicht as much as possible auszunutzen.

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Das wäre dann auch mein Tipp gegen Winterdepression: sich was gutes tun, dem Körper Tageslicht gönnen, ins Schwimmbad gehen, bei nettem (Kerzen)Licht gemütliche Lese-, Musik-, Kniffelabende verbringen, gesund essen und versuchen, sich nicht in das tiefe Dunkelheitsloch ziehen zu lassen. Aber noch hab ich ja gut Reden, noch steht der Winter in den Startlöchern und noch erhellen all die Weihnachtsbeleuchtungen die Straße. Die wirklich lange dunkle Zeit kommt noch. Aber ich hab ein paar Bücher die ich noch lesen wollte, Musik die lange auf meiner “HÖREN!!!”-Liste steht und vielleicht ja die ein oder andere Geschichten-Idee, die zu Papier gebracht werden will.

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Von Zwischenorten…

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Schon immer war ich mit meinen Gedanken manchmal in den Wolken, tagsüber, nachts, an der Supermarktkasse, der Ampel, während der Arbeit, beim Arzt. Die Zwischenorte, in denen ich mich dann befinde, können alles oder nichts sein, manchmal abstrakt, manchmal ganz greifbar, manchmal einfach nur ein paar Häuserecken entfernt, oder am Klavier sitzend. Einmal hat man mir gesagt, dass das eine besondere Gabe ist, sich wegträumen zu können, dass das manchmal helfen kann, um der Realität zu entkommen, die einen auffressen will. Früher war das so. Diese Zeit ist lange vorbei, doch das Tagträumen hab ich nicht verlernt.

Mal höre ich Meeresrauschen, während ich in einer Hängematte liege, spüre den warmen Wind an meinen nackten Füßen, den Sand auf meiner Haut, Möwengeschrei. Dann sitze ich auf einem Steg, irgendwo an einem kristallklaren See, lasse die Füße baumeln, das gletscherkalte Wasser treibt den kurzen Schmerz bis in meinen Kopf, Stille um mich rum. Manchmal träume ich von Hamburg und Doreen, Kiel und Maren, Australien und Kathi, von Mexico und Carlos. Oder ich träume von New York, wie ich mich an all den Plätzen wiederfinde die Annik vorher schon gesehen hat. Ich spaziere, mit einem lustigen Straßenkötermischling an der Leine, durch den Central Park, hänge an der Theke meines Lieblingsjazzclubs ab oder schlendere über die High Line. Manchmal träume ich vom tanzen, irgendwo in der Natur, im Abendsonnenlicht, zu meinen Lieblingssongs, mit Freunden, mit der Liebe. Ich träume von der Liebe, von Nähe, vertraut, wild, frei. Und ich träume von Island. In Island. Das ist das schönste! Weil ich merke, dass all das wahr werden kann und wenn es nicht wahr wird, bleiben immernoch die Tagträume.

Fernweh / Heimweh

“You will never be completely at home again, because part of your heart always will be elsewhere. That is the price you pay for the richness of loving and knowing people in more than one place.”
(Miriam Adeney)

Ich bin seit sieben Monaten da, wo mich das Fernweh noch vor sieben Monaten hingetrieben hat. Ich bin quasi zu hause im Fernweh und es fühlt sich sehr gut an, es fühlt sich für einen Moment so an, als wäre das Fernweh gestillt. Jedenfalls für diesen Ort. Naja, nicht gestillt, denn meine Entscheidung noch ein bisschen zu bleiben habe ich aus dem Gefühl heraus getroffen, dass ich hier noch nicht fertig bin. Hier im Fernweh.

Doch mit der Zeit ist dieses Fernweh gewachsen, durch Begegnungen, die schon vor meiner Reise ins Fernweh meine Wege kreuzten, schon lange lange bevor. Aber auch durch Begegnungen die mir hier tagtäglich “passieren”. Die Menschen, deren Geschichten, deren Flausen im Kopf, deren free spirit, deren Ideen. Die kreuzen sich dann mit meinen Geschichten, meinen Flausen, meinen Ideen und lassen meinen free spirit wachsen. Und ich lasse jedes Mal einen kleinen Teil von mir in diesen Begegnungen, gebe ein Teil von meinem Herz mit auf den Weg in dem Glauben, dass mich der Weg einmal zurück zu meinem Stück Herz treiben wird, egal wo dieses hingereist ist. So wächst das Fernweh auch hier nach dem Weg der dahin führt, wo wieder Geschichten, Ideen, Flausen auf mich warten und mich wachsen lassen, während ich wachse.

Der Weg hat kein fassbares Ziel, mein Ziel ist ichsein, was immer das heißen soll. Aber den Weg bin ich bisher gern gegangen, wenn auch ich manchmal eine Sackgasse bis zum Ende gehen musste um sie zu erkennen. Wenn auch der Weg nie gerade ist, denn es gibt soooo viele interessante Abzweigungen, Umwege und roundabouts, in denen man sich manchmal bis einem kotzübel wird im Kreis dreht. Und auch wenn ich manchmal “vom Weg abgekommen” bin, war es auch dieser wert, ihn zu gehen, zu rennen oder zu kriechen. Denn auch diese Wege führen letztendlich zu dem was wichtig ist.

Und vielleicht führt mein Weg mich eines Tages wieder zurück, dahin wo ich hergekommen bin. Denn ein Stück meines Herzens, ein großes Stück, verweilt auch dort und wartet auf mich, wartet bis mein Fernweh / Heimweh so groß ist, um auch dieses Stück einzusammeln.