How To Fall In Love With Northern Lights…

And I do need the wind across my pale face
And I do need the ferns to unfurl in the spring
And I do need the grass to sway,
yes I do need to know my place
(Bowerbirds – Northern Lights)

Den Magen voll mit Kaffee, weil die Müdigkeit gegen acht Uhr abends kam, führte mich mein Weg durch die Stadt zum Hafen. Sehr dick eingepackt kurz die Laugarvegur gekreuzt, schon im Park gegenüber der Harpa den Wind gespürt, der vom Meer herwehte. Angekommen am Hafen, schmetterte Queens “Love Of My Life” aus den Lautsprechern des Dampfers, der die Gäste zu den Nordlichtern bringen sollte. Mein Herz hüpfte schon da, sang leise mit und grinste. Der Mund auch. Drinnen in dicke, Kälte abweisende Anzüge verpackt, dann an Deck, einen sicheren Platz an der Reeling gesucht und gefunden. Und dann Diesel in der Nase und vor den Augen noch mehr Menschen in Neongelb-Schwarzen Anzügen. Wir versuchten der Lichtverschmutzung dieser Stadt zu entkommen, um Nordlichter ausfindig machen zu können. Der recht gute Forecast war im Laufe des Tages auf einen eher schwachen gesunken. Doch, kurz nach Passieren der Hafengrenze die ersten zaghaften grünen Lichter am Himmel. Musik auf die Ohren, die anderen anwesenden Menschen auf stumm geschaltet, Gänsehaut und Bauchkribbeln am ganzen Körper. So fühlt sich Glück an. Schon allein wegen des wunderschönen Sternenhimmels hätte sich diese Bootstour gelohnt. Und wegen des Windes, der mir um die Nase wehte. Erinnerungen an Hamburg, an die HVV-Fähre, nach Finkenwerder und zurück. Das hatte mich immer glücklich gemacht, wenn der Wind den Kopf zerzaust und das Hirn durchgepustet hat.

Und einmal mehr stelle ich mir die Frage: wie soll ich jemals wieder irgendwo ohne diesen Sternenhimmel, ohne Nordlichter, ohne Island leben können?! Totgefrorene Zehen und Finger, zum Takt der Musik und dem Schaukeln des Schiffes bewegt, dem dicken amerikanischen Mädchen mit der lustigen Puffin-Mütze entgegengegrinst, glücklich schnellen Schrittes auf den Heimweg gemacht und mich über viele Menschen in langen schwarzen Mänteln gewundert. Das Blut in den Zehen und Fingern pulsiert, die Wangen glühen, der Kopf ist voll, das Herz durchgepustet.

Und diese Songs in meinen Ohren:
Queen – Love Of My Life
Dave Hause – C’mon Kid
To Kill A King – Choices
Angus & Julia Stone – Grizzly Bear
The Devine Comedy – Have You Ever Been In Love
All The Luck In The World – Your Fires
Keaton Henson – Small Hands
Ólafur Arnalds & Arnór Dan – Old Skin
Lana Del Rey – Summertime Sadness
Oscar & The Wolf – Lady Of The Sunshine
Júníus Meyvant – Color Decay

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Winterimpressionen

Da es hier in Reykjavik gestern den ersten richtigen Schnee gab, hab ich mich durch ein paar Bilder meiner Reise gestöbert. Denn fast immer war da irgendwie Schnee.

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Akureyri im April

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am Eyjafjörður im April

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auf Hrísey im Mai

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Snæfellsnes im März

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Westfjords Ende Mai

 

The Road (to the south)

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“To the east, to the east, the road beneath my feet.
To the west, to the west, I haven’t got there yet.
To the north, to the north, never to be caught.
To the south, to the south, my time is running out.”
(Frank Turner – The Road)

Die beliebtesten Touristentouren Islands sind unfraglich die Golden Circle Tour und die Südküste. Den Golden Circle bin ich schon in mehreren Varianten gefahren; mit gebuchter Bustour, mit gemietetem Auto, mit Freunden, mit Fremden. Schön ist das auf jeden Fall, wo in Europa bekommt man sonst einen Geysir zu sehen?!

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Die Südtour bin ich bisher zwar auch schon (in Teilen) gefahren, aber nie war es so schön, wie in der letzten Woche. Besuch aus der Heimat, zu dritt Auto gemietet für drei Tage, Unterkünfte gebucht und los. Und schließlich hatten wir Dank. M. auch das  Wettercharma mit an Bord. Und so gings durch unwirkliche Mooslandschaften, alten Lavafeldern, durch riesige Sanderflächen, stundenlang an Europas größtem Gletscher, dem Vatnajökull vorbei.

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Morgens am schwarzen Strand von Vík spazieren gehen, mittags den Treibsandlöchern am Skaftafelljökull ausweichen, nachmittags am Jökulsarlon riesige Eisberge beobachten, abends im Sonnenuntergangslicht Islandpferde streicheln. Oder am Skogafoss Lammsuppe essen, in der Nähe des Eyjafjallajökull im Hot Tub Sektchen trinken und über rutschige Steine zum Höhlenwasserfall springen. Zwischendurch nicht immer nur Sonne, auch mal viel Nebel, Schnee, aber eigentlich nie Regen.

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Dafür Lionel Richie, dessen “Hello” aus dem Radio tönte, als wir grad den letzten Berg vor Vík erklommen hatten und laut mitsangen: “Hello, is it me you’re looking for? I can see it in your eyes, I can see it in your smile. You’re all I’ve ever wanted and my arms are open wide.”. Dazu dramatic clouds, der erste Schnee auf den Bergkuppen. Perfekter Moment. Perfekte Reise!

All I’ve got is this sunny afternoon

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Einfach mal tagsüber ins Schwimmbad gehen, unter der Woche, zwischen Vormittag und frühem Nachmittag. Dann ist es nicht so voll und man kann entspannt an den Massagedrüsen sich den Rücken durchkneten lassen. Und immer wieder der Blick in den blauen* Himmel, an dem das Ausflugsflugzeug seine etlichen Kreise zieht.

Schwimmbäder gibts in Island in fast jeder kleinen Ecke des Landes, fast immer sind es Außenbecken und Hot Tubs. Nie war ich so viel wie hier im Schwimmbad. Was meist bedeutete, dass ich höchstens ein paar kleine Bahnen geschwommen bin, dann aber im Hot Tub entspannte. Aber gelernt habe ich, dass ich da nicht mehr als 15-20 Minuten verweilen sollte, da mir ziemlich schnell schwindelig wird. Am liebsten mag ich allerdings die natural Hot Tubs, die aus natürlichen heißen Quellen gespeist werden und irgendwo in schöner Natur zu finden sind. Meine Lieblingsorte dafür sind Grettislaug, der heiße Fluss in Landmannalaugar und der kleine natural Hot Tub 20 Kilometer von Bildudalur in den Westfjorden. Von da kann man im Sommer wunderbar die Mitsommernachtssonne beobachten. Aber Achtung, die streitsüchtigen Küstenseeschwalben – Kría – nisten dort.

Und ich mag besonders das Gefühl danach. Wenn man aus dem heißen Wasser kommt, sich in der kühlen Luft umzieht, dann mit den frisch gewaschenen Haaren und der leicht chlorig riechenden Haut (chlorig natürlich nur, wenn es ein ordinäres Schwimmbad ist) die letzten warmen Herbstsonnenmomente genießt. Wenn die Schatten der Bäume im wunderbar warmen Herbstlicht sich an den gegenüberliegenden Häusern abbilden. Die dicken Katzen sich ebenso die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und Touristen die vor der Hallgrimskirkja stehen und die letzten Sonnenstrahlen des Tages so schönes Licht machen.

Also, gerade jetzt in der immer dunkler werdenden Jahreszeit – hier im Norden wird das wohl ganz schön heftig – sollte man sich so viel Zeit unter freiem Himmel gönnen, um das nötige Vitamin D Dingsbums zu produzieren und ohne Winterdepression und hängende Mundwinkel durch den Winter zu kommen.

* das geschah nicht heute, sondern an einem der Tage mit blauem Himmel.

Big City Riot

Es ist anders. Hier in Reykjavík. Der Blick aus dem Fenster trifft auf eine graue, aber zugegeben schöne Hauswand, die aus dem typischen Wellblech besteht. Drüber selten blauer Himmel, oft graue Wolken und daneben ein Baum mit roten Beeren. Die sieht man momentan überall in Reykjavik. Überall auch Menschen, Autos, dicke Katzen.

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Dicke Katzen laufen einem hier ständig vor die Füße, egal wo. Manche sehen arrogant und desinteressiert durch einen durch, andere setzen sich neben einen, maunzen laut, bis sie erhört werden. Ich war nie ein Katzenfan, doch scheinbar bin ich immer nur den gestressten eingesperrten Hamburg-Katzen begegnet. Hier sind sie eigentlich wie die Isländer. ziemlich entspannt. Und das mag ich.

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Der erste Monat ist vorbeigerauscht und lässt mich hier staunend stehen. Neue Umgebung, neue Menschen, neue Lebensweisen, Ansichten, Erfahrungen. Und manchmal halte ich inne, voller Sehnsucht nach Landschaften, Natur, frische Luft atmen. Hier befällt mich stärker als je zuvor ein Stadtkoller, der mich nach draußen treibt. Sei es auf den regelmäßigen abendlichen Spaziergängen zum Tjörnin und zurück oder after work hikes zum Helgafell, Tagesausflügen an die Südküste oder einem Sonntagsausritt. Ich muss raus.

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Sehnsucht vor allem nach den Westfjorden, die sich in mein Hirn und Herz gebrannt haben. Die ich mit bestimmten Songs verbinde, die ich manchmal beim Arbeiten an frischer Luft gehört habe. Ich sehe grüne Berge, weite Fjorde (und Heuballen, sehr viele Heuballen). Der viel zu kurze Besuch zum Schafabtrieb hat zwar gut getan, war aber eher wie ein Wirbelwind, als ein warmer Herbststurm.

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In einem Monat findet dann auch schon das Iceland Airwaves Festival statt, zu dem ich vor zwei Jahren zum ersten Mal nach Island kam. Die Vorfreude auf all die Off-Venue-Konzerte wird getrübt durch das Wissen, dass nach dem Festival ein paar liebgewonnene Menschen diesen Ort verlassen werden, dass danach die WG etwas ruhiger, das Lachen etwas leiser sein wird. Aber auch wenn alles einen temporären Eindruck macht, Menschen bleiben, auch wenn man mit ihnen nur für eine absehbare Zeit sein Leben geteilt hat.