Eine Liebe zur Musik…

meInstAuf einmal stehst du da auf dem großen Platz beim Myrarboltinn, direkt vor dem kleinen Wagen aus dessen Lautsprechern Arcade Fire tönt. Du riechst Bratwurst, obwohl du weißt, dass es in Island keine Bratwurst gibt, höchstens Pylsur. Und dir wird dein Herz schwer und leicht zugleich, die Gänsehaut legt sich auf deine Arme und lässt dich anfangen zu grinsen. Während verrückte Isländer im Schlamm Fußball spielen (sie versuchen es), summst du die kommenden Songs von Pulp und Blur mit und bekommst plötzlich dieses Festival-Gefühl und die schreckliche Sehnsucht nach deinem Sommer-Zuhause, das sich in Haldern befindet.

Ein Tag später beim größten Lagerfeuer Islands stehst du dann vor der kleinen Bühne vor der du den letzten Song von Agent Fresco nur von weitem hörst. Und wieder diese Gänsehaut, Sehnsucht und das Kribbeln im Bauch, selbst beim eher mittelmäßigen Jón Jónsson. Du riechst Sommer, auch wenn es gegen elf Uhr nur noch acht Grad hat. Dafür ist der Himmel zuckerwatterosa und die Kria ziehen ihre Kreise, versuchen einige der angetrunkenen Wollpullover tragenden Festivalgäste zu attackieren. Du siehst die umliegenden Berge im rosa der Wolken rot leuchten, du fühlst dich wohl, hier an diesem Ort, in Ísafjörður.

Doch plötzlich vermisst du Musik und dir wird bewusst, dass du in den letzten vier Monaten kaum Musik gehört hast, weil du sie nicht gebraucht hast. Denn da waren keine Menschen vor denen du dich verstecken musstest, keine Geräusche die du ausblenden wolltest. Du wolltest alles aufsaugen, jedes Rauschen, jede Stille, jedes Vogelpfeifen. Nun merkst du, dass dir das eigentlich wichtigste in deinem Leben nicht wirklich gefehlt hat und fängst an zu sehen, dass es mehr als das gibt. Aber du weißt auch, dass sie immer da sein wird, dass sie immer ein wichtiger Teil in deinem Leben sein wird. Denn da sind Songs die dich begleiten, seit Ewigkeiten und auch hier. Songs die du immer und immer wieder singst, und wenn es nur ein “feels like heaven” von The Cure oder Queens “Radio Gaga” ist, welches aus dem Garagenradio tönte, als du an einem stürmischen Nachmittag Milch holen gegangen bist. Daughters “Medicine”, welches dich immer an die Tour in den Süden Islands erinnern wird, mit dem barfüßigen Australier und den zwei Engländern. Und auch wenn du weit weit weg von deinem geliebten Hamburg bist, das Vergangene Jahre zurückliegt, hast du auch hier in Island den Geruch von Lamm und Rosmarinkartoffeln in der Nase, wenn du Bon Iver hörst.

Musik die in dir Gefühle wach ruft, die du sonst nicht so leicht preis gibst. Musik, die dich spüren lässt, dass du lebst, dass du liebst, dass du da bist, wo du sein sollst, dass du weiter musst und weiter sein willst. Musik, die dich erinnern lässt, an “vorne links”, an zuhause in Haldern, an den Blumenmann, an kalten Wind in Vík, an deine Lieblingsbar. An deine Lieblingsorte und Lieblingsmenschen.

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