Schlaflos…

Ich bin aufgewacht, mitten am frühesten Morgen. Von einem komischen Geruch, von dem ich jetzt nicht mehr weiß, ob ich ihn geträumt habe oder ob er Wirklichkeit war. Wenn letzteres, hat sich irgendwer ins Haus geschlichen und um vier Uhr morgens Brot getostet. So roch es nämlich und ich bin für drei Tage allein im Haus. Und nun bin ich wach und klicke mich durch Lieblingsseiten wie Mit Vergnügen und vor allem deren Schwester Mit Vergnügen Hamburg.

Ja, morgens um vier Uhr am schönsten Ort den man sich vorstellen kann habe ich Sehnsucht…nach Sommerbildern aus Hamburg, nach Straßenleben, nach Eisessen in der Eisbande, nach Sitzen am Hafen mit einem kühlen Astra. Nach Sitzen im Park und reden mit der besten Freundin, nach Frühstücken mit der besten Mitbewohnerin, nach laut Mitsingen auf irgendeinem Konzert mit den Menschen von vorne links.

Mir geht es gut hier, sehr sehr gut. So gut, dass ich Angst habe vorm Abschied von diesem Punkt meiner Reise. Denn das hier fühlt sich an wie zuhause sein, wie eine Familie, oder/und Freunde. Und bis sich das für mich so anfühlt, brauche ich immer ein Weilchen…die Sache mit dem Vertrauen und so. Nicht nur Vertrauen in andere Menschen, auch Vertrauen in mich, in das Gute, Vertrauen in jeden Schritt, auch wenn ich über ewige und steile Steinberge gehen muss, um zur Spitze des Berges zu kommen, oder ich rutschige Hänge hinunter muss, um am Ende wieder auf den weichen Grashügeln zu landen. Sich auf temporäre Freundschaften einlassen, temporäre Liebe zulassen. Wobei ich das Wort “temporär” für blödsinnig halte, denn egal wie lange eine Begegnung ist, wird sie doch immer irgendwie das Leben verändern und bereichern. Alles geht irgendwie, wenn man vertraut. Und das hier wohl die schönste Erfahrung, die ich mache.

Und trotz dieser großen Abschieds-Angst freue ich mich auf mein kleines gemütliches Zimmer in der Metropole. Ich freue mich auf die dunkle Jahreszeit (nachdem es jetzt gern noch ein paar schöne Herbsttage geben könnte), auf Weihnachten mit Freunden und Silvester in diesem Land. Und ich freue mich auf den Schafabtrieb Ende September, für den ich zurück komme in die Westfjorde, in den schönsten Fjord, mit der schönsten gravel road, den schönsten Pferden, der liebgewonnenen Kuhherde, den zauberhaften Bergen (die jetzt wunderschön rot leuchten von der Morgensonne), den Menschen die mir ans Herz gewachsen sind und die ich nie vergessen möchte.

Und in diesem Wirrwarr aus Sehnsucht, Fernweh und Trennungsschmerz beginne ich diesen Tag. Es wird ein toller werden, wie fast alle hier!

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I would go out tonight…

Weggehen in Island ist ziemlich speziell. Denn richtig was los ist erst ab 2 Uhr nachts. Das ist in Reykjavik so und auch in Ísafjörður. Ich hatte nicht wirklich vor, die ganze Nacht weg zu sein, aber ein bisschen Gesellschaft, Musik und betrunkende Isländer schauen, das wollte ich. Doch das Husid in Ísafjörður war nur halbvoll und wir einfach zu müde um nach einem Bier noch länger zu bleiben. Außerdem schien der Mond so schön, wenn auch es nachts schon empfindlich kalt war. Überhaupt die dunkle Nacht zu erleben, war für mich irgendwie etwas besonderes, hatte ich das schon seit 3 Monaten nicht gesehen. Sternenklar, heller Mond, am Horizont noch ein Schimmer Sonnenuntergangslicht. Und dann das grüne Nordlicht was plötzlich über den Horizont tänzelte, seine Schlangenlinie von einer Fjordseite zur anderen zog. Und wir, wie wir uns freuten und staunten und glücklich waren, dass wir an diesem Abend vor 2 heim gefahren sind.

Eine Liebe zur Musik…

meInstAuf einmal stehst du da auf dem großen Platz beim Myrarboltinn, direkt vor dem kleinen Wagen aus dessen Lautsprechern Arcade Fire tönt. Du riechst Bratwurst, obwohl du weißt, dass es in Island keine Bratwurst gibt, höchstens Pylsur. Und dir wird dein Herz schwer und leicht zugleich, die Gänsehaut legt sich auf deine Arme und lässt dich anfangen zu grinsen. Während verrückte Isländer im Schlamm Fußball spielen (sie versuchen es), summst du die kommenden Songs von Pulp und Blur mit und bekommst plötzlich dieses Festival-Gefühl und die schreckliche Sehnsucht nach deinem Sommer-Zuhause, das sich in Haldern befindet.

Ein Tag später beim größten Lagerfeuer Islands stehst du dann vor der kleinen Bühne vor der du den letzten Song von Agent Fresco nur von weitem hörst. Und wieder diese Gänsehaut, Sehnsucht und das Kribbeln im Bauch, selbst beim eher mittelmäßigen Jón Jónsson. Du riechst Sommer, auch wenn es gegen elf Uhr nur noch acht Grad hat. Dafür ist der Himmel zuckerwatterosa und die Kria ziehen ihre Kreise, versuchen einige der angetrunkenen Wollpullover tragenden Festivalgäste zu attackieren. Du siehst die umliegenden Berge im rosa der Wolken rot leuchten, du fühlst dich wohl, hier an diesem Ort, in Ísafjörður.

Doch plötzlich vermisst du Musik und dir wird bewusst, dass du in den letzten vier Monaten kaum Musik gehört hast, weil du sie nicht gebraucht hast. Denn da waren keine Menschen vor denen du dich verstecken musstest, keine Geräusche die du ausblenden wolltest. Du wolltest alles aufsaugen, jedes Rauschen, jede Stille, jedes Vogelpfeifen. Nun merkst du, dass dir das eigentlich wichtigste in deinem Leben nicht wirklich gefehlt hat und fängst an zu sehen, dass es mehr als das gibt. Aber du weißt auch, dass sie immer da sein wird, dass sie immer ein wichtiger Teil in deinem Leben sein wird. Denn da sind Songs die dich begleiten, seit Ewigkeiten und auch hier. Songs die du immer und immer wieder singst, und wenn es nur ein “feels like heaven” von The Cure oder Queens “Radio Gaga” ist, welches aus dem Garagenradio tönte, als du an einem stürmischen Nachmittag Milch holen gegangen bist. Daughters “Medicine”, welches dich immer an die Tour in den Süden Islands erinnern wird, mit dem barfüßigen Australier und den zwei Engländern. Und auch wenn du weit weit weg von deinem geliebten Hamburg bist, das Vergangene Jahre zurückliegt, hast du auch hier in Island den Geruch von Lamm und Rosmarinkartoffeln in der Nase, wenn du Bon Iver hörst.

Musik die in dir Gefühle wach ruft, die du sonst nicht so leicht preis gibst. Musik, die dich spüren lässt, dass du lebst, dass du liebst, dass du da bist, wo du sein sollst, dass du weiter musst und weiter sein willst. Musik, die dich erinnern lässt, an “vorne links”, an zuhause in Haldern, an den Blumenmann, an kalten Wind in Vík, an deine Lieblingsbar. An deine Lieblingsorte und Lieblingsmenschen.