Hiking-Trail: Seljalandsdalur

Off-Day, Sachen gepackt, Schlafsäcke ins Auto, Brot, Butter, Käse, Tomaten, Gurke, Oliven, Skyr gekauft und losgefahren. Einfach die Fjorde entlang, von Ísafjörður Richtung Holmavík bei schönstem Sommersonnenwetter. Kurz gestoppt für zwei Hitchhiker aus Italien und sie nur einen Fjord weiter in Súðavík rausgelassen. Im Arctic Fox Center gibts nicht nur Wissenswertes über das einzige Raub-Säugetier Islands, sondern auch wunderbaren Kuchen und nette Volunteers. Ganz am Ende des Fjords Álftafjörður der nächste Stop. Aus “nur kurz einen Abstecher zum Wasserfall” wurde ein vierstündiger Hike. Vorbei an blökenden Schafen auf Trampelpfaden, von denen wir uns nicht sicher waren, ob sie von Menschen oder Schafen gemacht wurden. Ständiges Rauschen der später gezählten 18 Wasserfälle in diesem Tal. Den atemberaubenden Valagil über eine Brücke überquert, nachdem wir im Gästebuch unsere Grüße hinterlassen haben. Nach der Brücke nur noch isländischer Wald: nicht hoch, aber dicht und schwer zu durchqueren. Unterhalb des Hangs der teils reißende Fluss, der reinstes Wasser zur Abkühlung in unsere Münder fließen ließ. Über Stock und Stein, durch Gebüsch, vorbei an zerbrochenen Brücken, über neue Brücken, entlang des Flusses. Das eigentliche Ziel, ein weiterer Wasserfall, zu weit weg und kaum erreichbar durch den “Wald”. Unsere Mägen leer, unsere Beine schwach, die Ohren verbrannt. Kleine Dramen vorm Überqueren des Flusses. Dann doch eine Stelle gefunden, wo die Strömung nicht ganz so schlimm und das andere Ufer nicht so weit war. Schmerzende Füße nach schneekaltem Wasser, dennoch Glückseligkeit und die Rückwanderung durch nasses und manchmal sumpfiges Wiesengras fast vollständig barfuß. Abschließend Abendbrot auf einem Hügelchen und eine lange Fahrt nach Heydalur, immer begleitet von der Mitternachtssonne. Kaltes Bier im Hot Tub. 10-stündiger Schlaf im Auto.

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season in the sun…

Die Sonne scheint. In Island. Und zwar so doll, dass ich hier im Haus sitze, damit ich mir nicht nochmal die Ohren verbrenne. So doll verbrenne, dass sich noch mehr Brandblasen bilden. Nicht schön, nicht lecker. Sorry für dieses Bild. Aber das verdeutlicht auch, dass der Sommer in Island keinesfalls kalt und dunkel ist. Im Gegenteil: Die Sonne geht hier in den Westfjorden gegen 0:30 unter und gegen 2:00 wieder auf. Und dazwischen gibts die Tagesdämmerung, es wird also niemals dunkel. Ich komme damit nachts gut klar, doch tagsüber überfällt mich momentan eine schwere Müdigkeit. Warm ist es übrigens mit 22 Grad auch ordentlich, es weht ab nachmittags der Wind vom Mehr in den Fjord, sodass man gar nicht mitbekommt, wie doll die Sonne eigentlich scheint.

Während ich hier so sitze, mähen die Flaschenlämmchen draußen nach mir, summen ein paar Bienen und gackern die Hühner. Manchmal kann man auch große Gesteinsbrocken hören, wenn sie in den umliegenden Bergen herunterrollen. Grün ist es hier auch seit es Sommer ist. Und mein eingepacktes Sommerkleid hat endlich seine Relevanz!

…da ich zwischendrin meist nur mein Handy zur Hand hab, hier ein paar Bilder der letzten Wochen.

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fall in love again and again…

…in Island ist das ziemlich leicht, wenn man Augen und Ohren aufhält. Zwar habe ich bereits einige viele Fotos auf meiner Festplatte, jedoch die Bilder die ich in meinem Kopf speichere sind unvergleichlich und unendlich. Da sind die vielen kleinen Momente, wenn die Wolken über die Bergkuppen zu rollen scheinen, wenn ein Entenpaar hochgeschreckt vom Traktor laut schnatternd aus dem Gras emporfliegt. Wenn am Horizont die Sonne scheint, über einem aber grad die Welt untergehen will.

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Die Westfjorde sind unbeschreiblich schön, anders als das was ich bisher von Island gesehen hab. Rau und wild, ungestüm und wechselhaft. Und die Arbeit auf der Farm ist ziemlich abwechslungsreich und macht Spaß (jetzt wo die Schafe endlich auch Richtung Berge unterwegs sind). Die beginnt meist morgens gegen 6:30 mit dem melken der Kühe, geht mit dem Säubern der Kälber- und Kuhställe weiter und natürlich die Fütterung der Tiere. Zwischendurch werden Zäune repariert, mit High-Pressure-Reinigungsgeräten hantiert und auch mal eine Herde Schafe Richtung Sommerurlaub getrieben.

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In den mittlerweile zwei Monaten Farmarbeit habe ich herausgefunden, dass ich kein Riesenfan von Schafen bin. Die sehen ja ganz putzig aus, wenn die so auf den Weiden rumstehen, aber ich bin ziemlich froh, wenn sie weit weit weg sind und ich ihr Mähen nur noch vereinzelt hören kann. Das Markieren der Lämmer allerdings fand ich ganz spannend. Herausfinden, welches Lamm zu welcher Mutter gehört, einfangen, impfen, markieren, freilassen. Gar nicht so einfach, vor allem wenn die wütende Mutter mit ihren Hörnern droht.

Respekt sollte man vor jedem Tier haben, doch mit einer Angst vor Tieren hätte ich hier wohl meinen Job verfehlt. Denn es kann schon sein, dass man zwischen einer Horde ausgewachsener isländischer Kühe entlanggehen muss. Auch wenn die nicht besonders groß sind, wiegen sie um die 500 Kilo. Und das Säubern der Kälberbetten kann sich auch als schwierig herausstellen, wenn sie denken, dass das Säuberungsgerät ein Spielkamerad ist. Das Spielen ist allerdings kein zimperliches, wenn man nicht aufpasst, kann es passieren, dass sie einen in der Gegend rumschubsen. Ist mir allerdings noch nicht passiert.
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Spannend all das und spannend, was da noch so kommt. Die umliegenden Berge jedenfalls verlieren langsam den Schnee auf ihren Hängen und das Gras leuchtet grün. Der Sommer zieht also auch in die Westforde ein, während die Menschen in der Ferne Bilder vom Strand posten. Dafür wirds hier nachts nie dunkel und man kann auch gegen elf Uhr nachts wunderschöne Sonnenbilder machen. Ich bin froh hier zu sein.