almost perfect day(s)

Die Reise in die Westfjorde startete mit Regen, verbranntem Popcorn aber mit hüpfendem Herzen. Nach viel zu langer Zeit mit viel zu viel Arbeit und viel zu viel Unzufriedenheit, wollte ich mir ein paar schöne Tage machen, bevor es in den Westfjorden in der Nähe von Ísafjörður weitergehen sollte. Ganz allein war ich nicht auf dieser Reise, denn der israelische Worker der Farm hatte sich entschlossen, mir zu folgen und der zukünftige Farmer brauchte zu unser aller Glück auch noch einen Worker für einen Monat.

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Links am Eyjafjörður entlang, wollten wir die kleine Halbinsel von Dalvik bis Hofsós erkunden. Leider saßen wir die meiste Zeit im Auto, weils draußen wirklich eher ungemütlich war. Dennoch wunderschön, die tiefhängenden Wolken über den Bergkämmen, die Regenfronten überm Meer und der Wind, der um die Autonase wehte. Kurzzeitig verfuhren wir uns, fanden uns inmitten großer Schneemassen wieder und waren ziemlich sicher, dass das Auto das nicht mitmachen würde. Dass wir damit ein paar Stunden später noch weniger Unrecht hatten, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Nach türkisblauen Buchten, neben gelbgrünem Gras und grauen Bergen, erreichten wir in Skagafjörður fast unser Tagesziel. Im ortsansässigen Burgerladen schlossen wir Bekanntschaft mit dem zauberhaften amerikanischen Pärchen Joan und Dan, die wir dank unseres kaputten Autos wenige Tage später völlig überraschend wiedertrafen. Außerdem erklärte uns der Besitzer den Grund, warum an seinem Laden auch eine israelische Flagge hängt und lud uns zu seinem hausgemachtem Vanille-Softeis (!!!) ein. Endlich kreuzten genau die Menschen meinen Weg, die ich in Island treffen wollte: die Geschichtenerzähler, die interessanten, freundlichen. Mit glücklichem Herzen folgten wir später als gedacht (zum Glück wirds momentan ja nichts dunkel in Island) einer kleinen Schotterstraße, um zum Natural Hot Tub Grettislaug zu kommen. Dort wärmten wir uns bei eisigwindigen Außentemperaturen stundenlang im Schein der umgebenen Berge auf und schliefen gegen 2:30 nachts in unseren Schlafsäcken im Auto ein.

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Der Tag küsste uns mit Sonnenstrahlen wach, wir nahmen erneut ein heißes Bad und ich verliebte mich Hals über Kopf in diesen wunderschönen Ort, der so friedlich und freundlich schien. Das kleine Café öffnete vor unseren Augen, wir hielten ein Pläuschen mit den Besitzern und erwachten bei Tee und Kaffee ganz sanft. Wir setzten unsere Reise in die Westfjorde auch wieder später als geplant fort, hielten am großen versteinerten Troll Hvitserkur und erhielten unweit von dort den Tipp, im Hostel Broddanes zu übernachten. Die Straße Richtung Holmavik teilten wir uns 1,5 Stunden mit nur zwei Autos. So einsam hatte ich mir die Westfjorde dann doch nicht vorgestellt. Und auch deren Schönheit überstieg meinen Erwartungen. In hysterisches Quieken fiel ich, als ich feststellte, dass unweit des Hostels Papageientaucher wohnten, die man vom Hostel-Aufenthaltsort bestens mit einem Teleskop beobachten konnte. Überhaupt war dieser Abend magisch…die Sonne berührte erst gegen 23Uhr die umliegenden Berge und schien im Ganzen nicht mehr als 3 Stunden verschwunden zu sein, wobei es draußen nur abenddämmerungdunkel wurde.

Da unser Benzin fast aus war, mussten wir am nächsten Tag einen Abstecher nach Holmavik machen. Nach dem Tanken fuhren wir kurz durch die “Stadt”, ich sagte “Well, nice, but let’s go to Ísafjörður”. Dass wir in den kommenden Tagen doch noch mehr von der Stadt und Island sehen würden, konnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen.

Unser Auto blieb mit einem kaputten Kühler auf der Straße liegen.

Eine Welle der Hilfbereitschaft brach über uns herein. Stefan der Polizist aus Holmavik nahm uns in seinem Polizeiauto mit, rief Mechaniker und andere Menschen an, die uns helfen könnten, fuhr uns zur Überbrückung der Wartezeit zum Swimming Pool und tat wirklich alles, um uns zu helfen. Und auch die Menschen aus dem Supermarkt in Holmavik halfen uns. Doch letztendlich funktionierte das Auto nicht so wie es für 240km Berg- und Talfahrt hätte sein müssen und wir mussten für diesen Tag in Holmavik bleiben. Auch Elisabeth vom Finna Hótel nahm sich ein Herz und überließ uns eines ihrer größeren Zimmer im Guesthouse zu einem günstigen Sleepingbag-Accommodation-Preis, welches näher am Parkplatz unseres Autos lag. Völlig erschöpft und zerstört schlief ich in dieser Nacht zwar gut aber dennoch nicht genug.

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Das Auto wurde temporär am nächsten Morgen repariert, wir mussten zu einer 80km entfernten Stadt in den Süden der Westfjorde fahren, wurden auf der Strecke durchs Hochland von einem netten Isländer im Caravan eskortiert (wir mussten alle paar Kilometer das Wasser im Kühler nachfüllen und waren froh, dass es überall am Straßenrand kristallklares kaltes Wasser gab) und waren froh, als wir nach drei Stunden Fahrt mit dem Mechaniker der ortsansässigen Werkstatt sprechen konnten. Unsere Reise mussten wir dann mit minimiertem Gepäck (also unnütze Dinge wie Alkohol und Schuhe im Auto lassen) den Weg mit dem Daumen fortsetzen. Nach 20 Minuten hielten zwei junge Frauen, die uns zwar nicht weiterhelfen konnten, da sie in der Nähe eine Schafsfarm haben, aber dass sie rumfragen würden, wer in unsere Richtung fahren und uns mitnehmen würde. Sie sagte mehrmals “If you find nobody today, then come and sleep at my farm. For free. I mean it from my heart. Come and stay, no problem”. Überwältigt von so viel Freundlichkeit und Offenheit waren wir wenig später aber froh, dass unsere Reisebegleitung Kelsey für die nächsten 24 Stunden für uns hielt. So kam ich in den Genuss, fast alles der Westfjorde entlang der Straße gesehen zu haben.

Die lange und beschwerliche Fahrt über Schotterpisten und an Berghängen entlang, führte uns nach Bildurdalur, wo wir eine Nacht bei der Mutter der Farmersfrau bleiben konnten, bevor es am nächsten Tag auf unsere letztere Strecke zu unserem Ziel ging. Dieses erreichten wir mit vielen tollen Eindrücken, vielen großartigen Erinnerungen an ebenso großartige Menschen, mit einem Flauen Gefühl in der Magengegend und mehr als zwei Mützen zu wenig Schlaf. Doch so langsam verteilt sich alles wieder. Und auch der Frust verfliegt, der Autofrust, der Schlaffrust und der Frust über die letzte Farm. Alles wird gut am Ende!

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6 thoughts on “almost perfect day(s)

  1. Liebe Maria,
    wenn ich deine Geschichte lese; kann ich *euch* fast sehen…schön geschrieben!
    Ich hoffe sehr, dass deine neue Farm sich besser *anfühlt* und freue mich schon darauf wieder mitlesen zu dürfen.
    þakka þér, Maria!
    Liebe Grüße von Gabi

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